Typografie: top, Stockfotos: Flop

Lions

Bei Piper kann man sich zwar offenbar jemanden leisten, der was von Typografie versteht, denn gegen die Schrift ist nichts einzuwenden.

Aber bei den Bildern fragt man sich

  1. Muss man die beiden Bilder so lieblos zusammenklatschen?
  2. Warum haben die den Hausmeister an den Mac gelassen?
  3. Wieviel hat der Löwe getrunken, dass er so blau aussieht?
  4. Warum ist die Frau nicht blau?
  5. Weiß derjenige, der das verbrochen hat, wie groß Löwen sind?
  6. Warum nur? Warum?

Irgendwie hat man die Stimme der zuständigen Redakteurin bei Piper im Ohr: „Es ist Deadline, wir brauchen noch ganz schnell ein Cover für den Löwen-Schmonz! Wo ist der verdammte Praktikant? Wie war noch gleich unser Fotolia-Passwort?“

7komma5 von 10 Schmerzpunkten

Coverabbildung Copyright Piper

Kreativität ist ja total wichtig!

lyxpacks

Richtig, hierbei handelt es sich nicht um eine Coverbesprechung, aber wir müssen ja flexibel bleiben.

Extrem wichtig bei der Covergestaltung ist es bekanntermaßen, kreativ zu sein und langweilige Wiederholungen, wenn es irgendwie geht, zu vermeiden. Egmont LYX tut sich in der Hinsicht besonders hervor, wir haben oben eine Auswahl zusammengestellt (Ehrlich! Eine Auswahl! Aber unsere Augen bluteten schon, da haben wir aufgegeben …). Wir gehen davon aus, dass die bei ihrem Stockfoto-Anbieter einen Mengenrabatt für nackte Männeroberkörper bekommen. Falls nicht, sollten sie sich schnellstens um einen bemühen, das kann richtig Geld sparen, denn ein Ende ist nicht abzusehen.

Wir nennen die textilarmen Anabolikawerbeträger ab sofort liebevoll „Lyxpacks“.

Coverabbildungen Copyright Egmont LYX

Den Bach runter gegangen …

Ritterinnenspiegel

Knallgelb ist ja nun keine besonders unaufdringliche Farbe, sondern haut so richtig rein, das wusste schon der Zitronenfalter.

Da macht es natürlich überhaupt keinen Sinn, sie dem potentiellen Käufer um die Ohren zu hauen, außer, man ist ein Telefonbuch. Interessiert den Gestalter des vorliegenden Covers aber überhaupt nicht, deswegen hat er nicht nur einen umliegenden Rahmen in der „gedeckten“ Farbe angelegt, sondern auch noch gleich fünf völlig überflüssige Sechsecke über dem eigentlichen Coverbild platziert, so dass der erschrockene Zuschauer sich die philosophischische Frage stellen muss: HÄ?

Das Bild ist eine Blume in fließendem Wasser, vermutlich Sinnbild dafür, wie dieses Cover den Bach runter geht. Guter Plan: Einfach alles am Wegesrand fotografieren, vielleicht kann man es ja mal für ein Cover verwenden (aufpassen, dass keine Hundehäufchen im Bild sind, oder einfach ein gelbes Sechseck drüber). Schlau wäre es dann aber schon, zumindest vorher mal ein klein wenig Colorgrading zu betreiben. Aber letztendlich ist das auch egal, denn die zitronengelben Hexagramme leisten eine hervorragende Arbeit dabei, das Bild komplett zu versauen, da hilft es auch nichts mehr, wenn man mit Lichtern und Schatten spielen würde. Was die Blume mit Ritterinnen oder deren Spiegeln zu tun hat? Vermutlich die formale Metrik.

Und die Schrift. Klar, wenn man will, dass der potentielle Leser nichts mehr erkennen soll, dann nehmen wir eine, die hohl ist und an den unhohlen Stellen über möglichst dünne Linen verfügt, damit ist der Augenkrebs geritzt. Und wer braucht schon etwas so Profanes wie Kontrast?

Ich habe wirklich lange gesucht, um etwas Positives am Cover zu finden. Leider vergeblich. Diese Schmerzen.

Der Autor schreibt über sich:

Seine lyrischen Werke haben ihrer Ursprung in formaler Metrik und Systematik unterschiedlichen kulturellen Hintergrundes.

Ich will das auch rauchen! Seine grafischen Werke hingegen haben ihren Ursprung im achten Kreis der Grafikerhölle, wo man bis in alle Ewigkeit mit MS Paint gequält wird, und ausschließlich Comic Sans als Schriftart nutzen darf.

Volle zehn Schmerzpunkte mit Fleißkärtchen

Coverabbildung Copyright Paul Tobias Dahlmann

Teufel auch …

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Selbstgezeichnete Cover sind in 98% aller Fälle schlimm.

Es gibt 1% die können es, und das andere Prozent sind Kinder, bei denen ist es entzückend.

Hier leider nicht. Ich glaube, der Höllenfürst wäre entsetzt. Eine lila Unterhose zu einer blauen Weste? Und was ist mit seinem Gesicht passiert?

Die Überschrift … ja, da hatte jemand Spaß. Diese kleinen Pfeile an den Enden … wie das Teufelsschwänzchen … putzig … NEIN. Schlimm.

Der Autorenname geht auch überhaupt nicht. Früher gab es einmal so eine Werbung: ein Gong und dann eine Stimme „MB präsentiert…“. Hier präsentiert MB nur Grauen.

Was unbedingt noch gesagt werden musste und nicht warten konnte, bis der interessierte Leser das Buch umdreht, um den Klappentext zu lesen, sollte man trotzdem nicht mit einem Ausrufezeichen auf der Vorderseite platzieren. Warum nicht? Sieht schlimm aus.

Alles in allem sieht es aus, als ob ein zerbeulter Alkoholiker sein Klopapier mitgenommen hat. Zum Teufel mit diesem Cover!

5 von 10 Schmerzpunkten.

Weißer Adler auf weißem Grund

djin

Kontraste können Augen retten

Auf Anhieb stellt sich dem Betrachter die bange Frage, warum der gaußsche Weichzeichner den muskulösen Körper gaußsch weichzeichnen muss? Zweifelte der Künstler an seinem Werk? Hat der Körper etwa Makel? War der Scanner kaputt? Am nur halb zu sehenden Gesicht war offensichtlich nichts auszusetzen, denn das ist den Algorithmen des Herrn Gauß entgangen.

Auch Randabstände werden offensichtlich erheblich überbewertet, deswegen lässt man sie einfach mal weg. Vielleicht ist das aber auch ein Hinweis auf den Inhalt, womöglich wohnt der Djin (schreibt man das nicht Dschinn? Dschinni? Jeannie? Djinn?) irgendwo am äußersten Rand des Wahnsinns statt in einer Flasche.

Besonders gut gefallen (nicht) hat mir aber die Farbwahl des Titels. Lila Schrift auf lila Grund, ohne irgendein Outline oder ähnliche kontrasterhöhende Sperenzchen. Da schmerzen die Augen bereits, bevor man den Titel entziffern konnte und man spürt sofort die beginnende Migräne. Weißer Adler auf weißem Grund. Und auch hier drängelt sich die Schrift an den Rand – als wolle sie von diesem Cover fliehen. Würde ich auch wollen.

Schaut man doch mal genauer hin, bereut man das sofort, denn dann erkennt man die Schrift, die für einen kursiven Schnitt nicht geeignet ist. Das hat den „Künstler“ allerdings nicht im geringsten tangiert.

Alles in allem brauche ich jetzt einen Schnaps, um die Augen wieder klar zu bekommen. Hautpsache, das Gesöff ist nicht lila …

p.s.: Warum der Djin, bei dem es sich bekanntlich um eine arabische Mythengestalt handelt, den eher nach rocktbehängten Whiskeytrinkern klingenden Namen „Angus“ trägt, wird uns hoffentlich auf ewig verschlossen bleiben.

8 von 10 Schmerzpunkten

Coverabbildung Copyright Ayara Fallon